Eigentlich sollte mich in der Richtung nichts mehr überraschen, aber man ist doch immer wieder erstaunt.

Ich hatte kürzlich jemanden zum Vitamin D Test geschickt. Anstatt sich ohne Umweg direkt in einem medizinischen Labor testen zu lassen, sollte sie zum Hausarzt gehen. Denn aufgrund ihrer Krankengeschichte habe ich einen wirklich niedrigen Vitamin D Spiegel erwartet. Und auch wenn die meisten Ärzte die Untergrenze für Vitamin D viel zu niedrig ansetzen, ab einem gewissen Punkt akzeptieren ja auch sie, dass ein Nährstoffmangel vorliegt.

Gesagt, getan. Die Ärztin ließ sich auch nach kurzer Zeit überzeugen, den Vitamin D Test in die Wege zu leiten. Das Ergebnis kam letzte Woche: traurige 9 ng/ml. Nach den veralteten Grenzwerten liegt ab 12 ng/ml ein klinisch relevanter Mangel vor. Die gute Frau hatte also unbestreitbar ein Vitamin D Problem. Wie erwartet. Das schöne daran sollte zumindest sein, dass die (gesetzliche) Krankenkasse in dem Fall die Kosten übernimmt. Immerhin ist so ein Mangel gefährlich. So war das früher jedenfalls.

Was sich dann nach ihren Schilderungen abgespielt hat, finde ich unverschämt. Vielleicht nicht unbedingt von der Ärztin, aber von unserem Gesundheitssystem.

Während die Hausärztin schon dabei war das Rezept für Dekristol 20.000 i.E. (ein Vitamin D Präparat das aufgrund seiner hohen Dosis in Deutschland rezeptpflichtig ist) auszustellen, fragte die Patientin nach wie es mit einer nachträglichen Übernahme des Vitamin D Tests, in jedem Fall aber mit der Übernahme der Kosten für Dekristol aussehe. Natürlich in der Erwartung, dass es bezahlt werden würde. Daraufhin stutzte die Ärztin kurz und erwiderte nach einer Sekunde, dass sie nicht glaube, dass die Kasse das noch bezahle. Um sicher zu gehen ging sie kurz die Besprechungszimmer ihrer Kollegen in der Gemeinschaftspraxis abklappern, um die auch noch einmal zu fragen. Sie kehrte mit folgendem Konsens zurück:

Die Kassen würden eine Vitamin D Therapie, selbst bei starkem Mangel, nicht mehr bezahlen, weil in Deutschland sowieso fast jeder einen mehr oder weniger großen Mangel habe und es deshalb zu teuer wäre, die alle zu behandeln.

Ungläubiges Gucken von der Patientin. Schulterzucken von der Ärztin.

Wo gibt’s denn sowas?! Eine unstreitig notwendige Behandlung wird nicht mehr übernommen, weil die Kassen Geld sparen wollen? Offenbar gibt’s das im erste-Welt-Land Deutschland.

Ich finde die Begründung schon sehr dreist.

Beigeschmack hat auch das Verhalten der Hausärztin. Die sind sich also sehr wohl bewusst, dass Vitamin D Mangel in Deutschland ein riesen Problem ist. Aber trotzdem war es nicht sie, die den Vitamin D Test in die Wege geleitet hat, sondern ich bzw. die Patientin.