Vor zwei Tagen hat die New York Times einen Artikel veröffentlicht, der es in sich hat, aber leider viel zu wenig Echo erfahren wird. Es kam ans Licht, dass die Zuckerindustrie (also wirklich ein Zusammenschluss von großen Playern im Anbau und Vertrieb von Zucker) seit den 1960er Jahren gezielt Wissenschaftler, darunter auch renommierte Forscher aus Harvard, geschmiert hat.
Ziel dieser gut finanzierten Kampagne war es, in Sachen Herzkrankheiten von Zucker als Gesundheitsproblem abzulenken und dem Fett die Schuld in die Schuhe zu schieben. So konnten die Unternehmer zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen:

  1. Der Süßmacher bekommt keine schlechte Presse als Erreger von Herzkrankheiten, obwohl zahlreiche Studien in diese Richtung deuteten, und behält eine Weste, so weiß wie der raffinierte Zucker selbst.
  2. Wenn erst einmal Fett, wissenschaftlich erwiesen, die Ursache vielerlei Herzleiden ist, dann kann man erwarten, dass die Bürger Fett mehr und mehr von ihrem Teller verbannen. Das so entstehende Kalorieloch in ihrem Spreiseplan – so die erklärte Hoffnung der Zuckerindustrie – würden die Leute mit einem Extra-Verzehr von Zucker stopfen. Was den Umsatz noch einmal deutlich erhöhten sollte.

Der Preis für solche Harvardwissenschaftler betrug, umgerechnet auf die heutige Kaufkraft, übrigens nicht einmal 50.000 $. Sicherlich wird die Industrie nach diesem gelungenen Coup in den weiteren Jahren noch mehr Gelder nach diesem Prinzip „investiert“ haben. Jedoch wird der return on investment wahrscheinlich ein Hundertfaches betragen. Wie jemand in dem Artikel passend kommentiert: Ein sehr cleverer Schachzug. Clever und an der Grenze zur Kriminalität.

Hier geht es zu dem anschaulichen Artikel in der New York Times.

Und hier ist die Quelle, auf die sich die NYTimes bezieht: Ein Artikel in dem Fachmagazin JAMA.