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News aus der Welt der Orthomolekularmedizin

Warum unsere Nahrung nicht so nahrhaft ist, wie allgemein angenommen | Teil 1

Nahrungsergänzungsmittel? Pah, ich setze lieber auf eine ausgewogene Ernährung.

Das ist eine durchaus verbreitete Ansicht. In weiten Teilen der Gesellschaft hat sich mittlerweile ein gewisses Gesundheitsbewusstsein eingestellt. Man weiß, dass fast food schlecht ist. Man weiß, dass Kohlenhydrate „ja irgendwie auch Zucker“ sind und man es damit nicht übertreiben sollte. Man weiß, dass Eiweiße schlank machen und Zigaretten die Gesundheit gefährden. Und man weiß natürlich, dass Bio gut ist.

Bio ist besser als konventionelle Landwirtschaft, keine Frage, und „ausgewogen“ ist ja sowieso immer besser als „unausgewogen“ – aber ist das mittlerweile noch gut genug? Reicht das immer und für jeden?

Hier nähern wir uns einem blinden Fleck des Gesundheitsbewusstseins. Unsere Nahrung ist inzwischen nicht mehr so nahrhaft, wie das früher der Fall war. Ausgelaugte Böden, profitorientierte Züchtungen und Erntemethoden sowie vieles mehr haben den Gehalt an Nährstoffen kontinuierlich und drastisch sinken lassen. Da es sich hierbei um ein sehr wichtiges Thema handelt, werde ich ein Unterkapitel aus meinem eBook als Zweiteiler veröffentlichen.

Unsere Böden sind ausgelaugt

Unser Obst und Gemüse von heute sind leider nicht mehr das, was sie vor einem guten halben Jahrhundert waren. Verschiedene Umstände tragen dazu bei, dass der Vitamin- und Mineralgehalt deutlich gesunken ist.

Einer der Gründe ist wahrscheinlich, dass unsere Böden ausgelaugt wurden durch eine Landwirtschaft, die exzessiv ist, die wegen Bequemlichkeit oder Subventionen oft monokulturell ist und die dank Düngemitteln auf großen Ertrag in wenig Zeit ausgerichtet ist. Die Böden werden von Jahrzehnt zu Jahrzehnt verbrauchter und ärmer.

Wer das schon einmal gehört hat, der hat bestimmt kurz darauf die Beschwichtigungen gehört, dass das doch „alles Quatsch!“ sei. Auch von Ärzten ist so etwas zu vernehmen. Jedoch: In peer-reviewed journals wissenschaftlich belegt ist aber nur, dass die Nährstofferosion tatsächlich stattfindet. Der Gegenbeweis hat es soweit ich weiß noch nicht dorthin geschafft. Das nur, um klarzustellen, welche Seite in dieser Diskussion die Wissenschaft hinter sich hat.

Einen ersten, beunruhigenden Einblick in diesen Trend gab Mayer 1997 im British Food Journal.1

Dort verglich sie für Großbritannien die Nährstoffdichte von 20 verschiedenen Gemüsen und 20 verschiedenen Früchten aus den 1930er Jahren mit der aus den 1980ern. Und in diesem halben Jahrhundert hat sich einiges getan.

Im Gemüse wurden signifikante Rückgänge an Kalzium, Magnesium und Natrium gemessen. Bei den Früchten fiel ein Abfall der Werte bei Magnesium, Eisen, Kalium und Kupfer auf. Der einzige Mineralstoff, der unverändert blieb, war Phosphor. Vitamine wurden in den 1930ern nicht bestimmt.

Ganz besonders hart getroffen hat es Magnesium, dass sowohl im Gemüse als auch in Früchten um einiges zurückgegangen ist. Bei Bananen betrug der Rückgang sogar rund 20%Weiterhin fiel bei Früchten auf, dass der Wasseranteil anstieg und die Trockenmasse sank.

Kritisiert wird an dieser Veröffentlichung, dass die Werte aus den 30er Jahren eventuell nicht sorgfältig ermittelt worden seien. Heutzutage habe man ganz andere Analysemethoden.

Jedoch sind die älteren Messmethoden nicht zwingend ungenauer, nur weil sie umständlicher sind. Dieser Kritikpunkt wird sich also niemals klären lassen, da man den Nährstoffgehalt aus den 30er Jahren nicht erneut erheben kann.

Darüber hinaus kommt eine Studie von 2004 zu einem ähnlichen Ergebnis, die das ganze für die USA mithilfe von Datensätzen aus den Jahren 1950 und 1999 durchging.2 Untersucht wurden 43 Gartengewächse, überwiegend Gemüse. Signifikant gesunken ist dort der Gehalt von Proteinen (-6%), Kalzium (-16%), Phosphor (-9%), Eisen (-15%), Vitamin C (-15%) und Vitamin B2 (-38%).

Interessant ist, dass unter den Mineralien vorliegend auch Phosphor gesunken ist, aber die Vitamine A (bzw. Beta-Carotin), B1 und B3 nicht signifikant erniedrigt waren. Magnesium wurde leider nicht bestimmt.

Die Autoren der Studie meinen, alle Unterschiede ließen sich dadurch erklären, dass die heutzutage verwendeten Obst- und Gemüsesorten weniger Nährstoffe aus dem Boden ziehen, weshalb die Bodenqualität selbst auch durch diese Ergebnisse nicht zu beanstanden sei. Dabei handelt es sich jedoch um eine bloße Vermutung der Wissenschaftler, die generell der Arbeitshypothese der verbrauchten Böden von Anfang an skeptisch gegenüberstanden. Ob die teilweise großen Einbußen aber nicht doch zum Teil auf verbrauchte Böden zurückzuführen sind, ist mit dieser Vermutung nicht widerlegt. Insbesondere unterließen es die Wissenschaftler die angepflanzten Sorten zu benennen, sodass man nicht einmal weiß, um was für Züchtungen es sich bei der letzteren Lebensmittelgeneration handelt.

Zumindest in Hinblick auf Vitamine scheint diese Studie zum Teil Entwarnung zu geben. Jedoch ist kritisch anzumerken, dass sich die Studie ausdrücklich mit Gartengewächsen beschäftigt hat. Sollte man hier Gemüse aus kleineren (Bio?)Gärten angekauft haben, wie es der Text nahelegt, dann könnte dies das Bild verzerren. Denn anders als die konventionell genutzten Felder werden solche Gärten oft schonender bewirtschaftet. Das könnte schließlich positiven Einfluss auf die Qualität des Bodens oder aus anderen Gründen auf die Qualität der Ernte gehabt haben. Welche anderen Gründe das sind?

Nun, im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich die Nahrungsmittelindustrie so einiges einfallen lassen, um sich selbst das Leben leichter zu machen.

Verbraucherbetrug durch spezielle Züchtungen

Einer dieser Kniffe ist, dass man durch selektives Züchten Obst- und Gemüsesorten geschaffen hat, die größer und schwerer werden als ihre Vorfahren vor 50 Jahren. Eine gute Idee aus Verkäufersicht, denn umso schwerer die Ware, desto mehr Geld wird dafür bezahlt. Auf den ersten Blick ist das auch nur fair, immerhin bekommt man ja auch mehr für sein Geld. Nur von was bekommt man eigentlich mehr? Anscheinend nicht ein Mehr an Nährstoffen.
So beispielsweise belegt für Brokkoli: Neuere, gängige Sorten von Brokkoli enthalten pro Kg rund ein Drittel weniger an Kalzium und Magnesium im Vergleich zu altbewährten Vorgängern.3 Diese neuen Sorten legen nämlich hauptsächlich an Wasser und Pflanzenmasse zu, nehmen aber nicht in gleichem Maße mehr Nährstoffe wie Magnesium und Kalzium auf. Das wird auch als „Verdünnungseffekt“ bezeichnet. Denn der Mineralstoffgehalt pro Kilogramm sinkt dadurch erheblich. Und damit sinkt auch der Mineralstoffgehalt auf ihrem Teller.

Erntemethoden auf Kosten der Nahrungsqualität

Eine andere Methode des Geldsparens, indem man dem Kunden eine verhohlen minderwertige Ware unterjubelt, ist, dass man Gemüse und Früchte schon sehr früh pflückt, wenn sie noch grün sind. Auf diese Weise spart man sich die Mühe, sich länger um die Pflanzen kümmern zu müssen, kann früher neu anbauen etc. Da sich aber beispielsweise grüne Tomaten nicht gut verkaufen lassen, werden sie mit Hilfe des Pflanzenhormons Ethylen künstlich nachgereift, sodass sie Farbe kriegen.
Doch genau wie Größe und Gewicht nicht alles sind, ist auch Farbe nicht alles.

Was es für einen Unterschied macht, wenn die Frucht noch grün vom Pflanzenstamm gepflückt wird und nicht mehr natürlich in der Sonne reifen kann, haben spanische Forscher in einem Experiment anhand von Kirschen begreifbar gemacht.4 Das natürliche Wachstum der Kirsche wurde in 14 verschiedene Stadien eingeteilt. Sie empfehlen, die Kirschen im 12. Stadium zu ernten, da dann die Frucht beinahe voll ausgereift ist und noch genug von der recht kurzen Haltbarkeitsdauer bleibt, um sie in den Laden und an den Mann zu bringen.

Gepflückt werden Kirschen aber regelmäßig viel früher, bevor sie gereift sind. Daher weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass eine Kirsche, geerntet im 8. Stadium, nur halb so viel Vitamin C enthält wie im 14. Stadium.

Dieser Effekt findet sich auch bei anderen Früchten und betrifft nicht nur Vitamine, sondern auch wertvolle Bioflavonoide, also nicht-essentielle Pflanzenstoffe, die trotzdem eine positive Wirkung in unserem Körper entfalten.

Oft ist auch die Reifung in der Sonne vonnöten, damit sich der typische Geschmack herausbildet. Sollten sie mal wieder in eine Tomate beißen, die irgendwie „nach nichts“ schmeckt, wurde sie sehr wahrscheinlich grün gepflückt. Dadurch beeinträchtigt wird in der Regel auch die Bildung von Beta-Carotinoiden (Vorstufe von Vitamin A) und Folat.5 6

Doch damit nicht genug. Selbst der Dünger hat sich als problematisch erwiesen. Stickstoffdünger in höherer Konzentration, zum Beispiel, verringert den Vitamin C-Gehalt von vielen Früchten und Gemüsen.7 Weitere Beeinträchtigungen, auch durch ganz andere, künstliche Dünger, sind nicht ausgeschlossen. Vielmehr muss man wissen, dass die meisten hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Nährstoffzusammensetzung gar nicht so genau untersucht werden. Ähnlich sieht es mit Pestiziden und Fungiziden aus. Ein Großteil der auf dem Markt zugelassenen Mittel wurde nicht oder nur durch eigene Hausstudien der Hersteller getestet. Über die Wechselwirkung von zwei oder mehreren Pestiziden, die übereinander auf die Pflanze gesprüht werden, wissen wir überhaupt nichts.

Unsere Lebensmittel leiden an Nährstoffschwund

Im Endeffekt kann niemand wirklich sagen, aus welchem dieser Gründe genau wie viel Prozent von einem bestimmten Nährstoff in einem speziellen Lebensmittel verschwinden.

Aber als Tatsache wird man bezogen auf die konventionelle Landwirtschaft wohl festhalten müssen, dass bei vielen Nährstoffen ein deutlicher Schwund mindestens im unteren zweistelligen Bereich eingetreten ist. Insoweit sind die Untersuchungen eindeutig. Eine Versorgungslücke, die sich langfristig auch auf unsere Nährstoffdepots auswirken muss, da die allermeisten von uns nicht den ganz überwiegenden Teil ihrer Nahrung von nachhaltigen, gepflegten Bio-Höfen beziehen.

Mit diesen Feststellungen sind wir jedoch leider noch nicht am Ende. Denn unsere Nahrungsmittel haben nach der Ernte nicht bloß auf breiter Front weniger Nährstoffe als gemeinhin bekannt, nein, selbst wenn wir von den veralteten, wohl unrealistisch günstigen Nährwertvorstellungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ausgehen, nehmen große Teile der Bevölkerung immer noch zu wenig Nährstoffe zu sich. 

Aber darüber mehr in: Teil 2

1Mayer AM. Historical changes in the mineral content of fruits and vegetables. In: British Food Journal. Vol 99, S. 207-211. http://www.emeraldinsight.com/doi/abs/10.1108/00070709710181540

2Davis DR, Epp MD, Riordan HD: Changes in USDA food composition data for 43 garden crops, 1950 to 1999. In: J Am Coll Nutr. 2004 Dec;23(6), S. 669-682. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15637215 .

3Farnham MW, Grusak MA, Wang M: Calcium and Magnesium concentration of inbred and hybrid Broccoli heads. In: J. Amer. Soc. Hort. Sci. 2000, 125(3), S. 344-349. http://journal.ashspublications.org/content/125/3/344.full.pdf .

4Serrano M, GuillénFet al.: Chemical constituents and antioxidant activity of sweet cherry at different ripening stages. In: J Agric. Food Chem. 2005 Apr 6;53(7), S. 2741-2745. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15796619 .

5Giuntini D, Graziani G, Lercari B, et al.: Changes in carotenoid and ascorbic acid contents in fruits of different tomato genotypes related to the depletion of UV-B radiation. In: J Agric Food Chem. 2005 Apr 20;53(8), S 3174-3181. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15826075 .

6Diaz dlG, Quinlivan EP, Klaus SM, et al.: Folate biofortification in tomatoes by engineering the pteridine branch of folate synthesis. In: Proc Natl Acad Sci USA. 2004 Sep 21;101(38), S. 13720-1375. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15365185 .

7Seung KL, Adel AK: Preharvest and postharvest factors influencing vitamin C content of horticultural crops. In: Postharvest Biology and Technology. 2000 (20), S. 207-220. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0925521400001332 .

1 Kommentar

  1. Hola,

    was mich mal interessiert: Wieviele Mandarinen (mein e Lieblingsfrüchte momentan) erfüllen den täglichenVit. C Bedarf?

    Beste Grüsse von der Sonneninsel sendet euch Udo

Kommentare sind geschlossen.

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