Wie viele von euch bereits wissen werden, wird dem guten, alten Vitamin D in den letzten 15 Jahren mehr und mehr Bedeutung beigemessen. Einerseits ist es wirklich erstaunlich, an wie vielen Prozessen im Körper dieses Vitamin, das genaugenommen ein Hormon ist, beteiligt ist und in dieser Folge die verschiedensten Krankheitsbilder beeinflusst. Denn angesichts dieser schieren Menge von Anwendungsmöglichkeiten ist man versucht, das alles nicht zu glauben.

Andererseits sind die enormen Auswirkungen ganz einfach erklärbar, wenn man sich veranschaulicht, dass Länder wie Deutschland aufgrund ihrer geographischen Lage tatsächlich ein enormes Vitamin D Defizit haben. Und umso größer ein Mangel an einem essentiellen Stoff ist, desto mehr gerät im Körper durcheinander, desto mehr kann durch Supplementierung dieses Stoffes wieder gerade gebogen werden. Ein Löwenanteil der heilsamen Wirkungen von Vitamin D ist also einfach dem Ausgleich des Mangels zuzuschreiben.

In der vorliegenden Studie aus dem Jahre 2013 wurde jedoch mal etwas anders gearbeitet. Untersucht wurden die Auswirkungen von Vitamin D auf die Hautkrankheiten Schuppenflechte (Psoriasis) und Vitiligo. Jedoch hat man hier bei den Studienteilnehmern nicht bloß einen Mangel ausgeglichen, sondern für 6 Monate täglich 35.000 i.E. Vitmin D verabreicht.

Zum Vergleich: Ein Mensch kann bei guter Sonnenexposition im Hochsommer zwischen 10.000 und 20.000 i.E. Vitamin D pro Tag eigens in der Haut synthetisieren. Die in der Studie verwendete Dosis liegt also ein Stück über dem, was auf natürlichem Wege erreichbar ist, da in unserem Essen nicht viel zusätzliches Vitamin D steckt.

Was sind Vitiligo und Schuppenflechte für Krankheiten?

Die Schuppenflechte, oder auch Psoriasis, ist hauptsächlich als Hautkrankheit bekannt. Hierbei kommt es an bestimmten Stellen des Körpers zu einem viel zu schnellen Wachstum der Oberhaut. Dadurch entstehen dort silbrig-weiße Schuppen auf einem stark durchbluteten, roten Grund, der sich von der übrigen Haut oft plastisch leicht abhebt. Allerdings kann die Krankheit auch Gelenke und Organe betreffen. Wahrscheinlich existiert eine genetische Veranlagung für die Erkrankung, jedoch muss sie auch mit dieser Veranlagung nicht zwangsläufig ausbrechen.

Entgegen der Annahme vieler Laien bei Anblick einer solchen Schuppenflechte, handelt es sich nicht um einen ansteckenden Ausschlag.

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Vorher-Nachher Bild einer Vitiligo-Patientin. Quelle: Die hier besprochene Studie

Vitiligo wird manchmal auch die Weißfleckenkrankheit genannt. Sehr eingänglich. Denn damit ist sie im Grunde auch schon beschrieben. Es handelt sich um eine seltene Hauterkrankung, bei der die Pigmentierung der Haut dergestalt gestört ist, dass sie eben an manchen Stellen ausfällt. Die Haut bleibt dort weiß. Besonders auffällig ist sie daher bei eher dunkelhäutigen Menschen. Die Ursache von Vitiligo ist weitgehend unbekannt, es werden aber Autoimmunprozesse als Verursacher diskutiert. Die Krankheit schreitet mit der Zeit oft immer weiter fort, da mehr und mehr der Pigmentzellen absterben.

Da sich in beiden Fällen die Betroffenen entstellt fühlen, können die Krankheitsbilder zu starken psychischen Beeinträchtigungen führen. Während es bei der Schuppenflechte teilweise noch zu spontanen Ausheilungen kommt, gilt Vitiligo als unheilbar.

Studienaufbau

Es wurden 9 Patienten mit Schuppenflechte und 16 Patienten mit Vitiligo rekrutiert. Wie schon gesagt, hat die Studie sehr hohe Dosen Vitamin D verwendet. Vor Beginn der Ergänzung hatten die Teilnehmer durchschnittlich einen Spiegel von 14,9 ng/ml Vitamin D, befanden sich also im Mangel. Das ist auch der Grund, warum die Studie nicht mit einer Kontrollgruppe aufgebaut wurde: Die Wissenschaftler hatten ethische Bedenken, einem Teil der Patienten Placebos zu füttern und in einem schädlichen Vitamin D Mangel zu belassen, der in Zusammenhang mit vielerlei Krankheiten steht.

Nach 6 Monaten auf 35.000 i.E. täglich erreichten sie einen Wert von 106,3 (± 31,9) i.E. Der Wert war also bei allen Teilnehmern sehr hoch, schwankte jedoch durchaus stark. Mit dieser Dosis erreichten manche nur einen Spiegel von 75 ng/ml, andere von 137 ng/ml.

Der von den meisten Vitamin D Experten empfohlene Wert liegt zwischen 40 und 60 ng/ml.

Bemerkenswert sind auch die Sicherheitsvorkehrungen, die die Studie aufgrund der Megadosis Vitamin D vorgenommen hat. In alternativ-medizinischen Kreisen wird immer Vitamin K2 dazugegeben, um das Risiko einer Hyperkalzämie (Kalziumvergiftung) abzufangen, da Vitamin K2 die Verwertung von Kalzium im Körper optimiert und dafür sorgt, dass es an die richtigen (und nicht die falschen) Stellen des Körpers gelangt.

Die Forscher haben ihre Vorsicht dagegen lediglich auf die Verordnung einer kalziumarmen Diät beschränkt.

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Vorher-Nachher Bild eines Schuppenflechte-Patienten. Quelle: Die hier besprochene Studie

Es kam bei keinem einzigen der Teilnehmer zu einer pathologischen Veränderung des Kalzium- oder des PTH-Spiegels. Dieses „Nebenergebnis“ der Studie ist durchaus erwähnenswert. Hierzulande sorgen die DGE und andere Spukhäuser dafür, dass viele Menschen (und trauriger Weise auch Ärzte) schon Angst davor haben, auch nur 2.000 i.E. Vitamin D pro Tag zu geben, weil das ja zu einer schlimmen Kalziumvergiftung führen würde.

Hier kann man wieder eindrucksvoll sehen, wie „unglaublich gefährlich“ Vitamin D wirklich ist – bei 35.000 i.E. pro Tag. Es ist begrüßenswert, dass immer mehr Studien mit hohen Viamin D Gaben aufwarten. So kann der Mythos der Gefährlichkeit von harmlosen Dosen à 5.000 i.E. vielleicht in naher Zukunft gebrochen werden.

Jedoch würde ich bei dieser hohen Dosis in jedem Fall, wie fraglos auch in der Studie geschehen, zur Sicherheit die Blutwerte regelmäßig beim Arzt kontrollieren lassen.

Vitamin D kann Schuppenflechte und Vitiligo zurückbilden

Die Ergebnisse der Studie sind sensationell. Die Ergänzung mit 35.000 i.E. Vitamin D hat allen 9 Patienten mit Schuppenflechte eine Besserung gebracht. Der P.A.S.I score (Psoriasis Area and Severity Index), mit dem die Schwere der Krankheit ermittelt wird, hat sich bei allen Teilnehmern signifikant verbessert.

Ebenfalls konnten 14 von 16 Patienten mit Vitiligo teils stark von der Therapie profitieren. Von diesen 14 bildete sich bei vieren die Vitiligo zwischen 1-25% zurück. Bei 5 Patienten um 26-50%. Und bei weiteren 5 Patienten gar um 51-75%!

Insbesondere für die letzte Gruppe sind die Verbesserungen dramatisch. Das gilt umso mehr, wenn die Verbesserung, wie  oben im Bild, vor allem weißfleckige Areale im Gesicht betreffen, die für die Betroffenen in psychischer Hinsicht ganz besonders schlimm sind. Zur Erinnerung: Vitiligo gilt in der konventionellen Medizin praktisch als unumkehrbar.

Doch siehe da, was eine Megadosis Vitamin D bewirken kann!